#3 Palliativpower: „Hände, die halten“

Shownotes

Wenn Heilung nicht mehr das Ziel ist, geht es um Lebensqualität, Würde und das Gefühl, nicht allein zu sein. Wir zeigen euch heute, dass Palliativmedizin alles andere als Stillstand bedeutet – es geht um Hände, die halten, wenn der Weg schwer wird. In dieser Folge begrüßen wir unseren ersten Gast – unseren Kollegen Jörg Hildebrandt, der im palliativmedizinischen Dienst der Unimedizin Mainz tätig ist.

Wir zeigen Euch, dass die besten Gespräche oft genau dort entstehen, wo man sie am wenigsten erwartet – nämlich direkt zwischen Portspülungen und Infusionsständern.

Lernt uns kennen. Onkologie. Echt. Fachlich. Und mit ganz viel Herz.

Eure Meenzer Onkoschwestern❤

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Ein Podcast der Unimedizin Mainz. Postproduktion und Musik: Jan Springer

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Transkript anzeigen

00:00:13:

00:00:17: Hallo und herzlich willkommen zu unserem Podcast!

00:00:28: Hi, ich bin Tatjana.

00:00:31: Wenn wir das Wort Palliativ hören denken viele sofort an das Ende.

00:00:36: doch eigentlich geht es um ganz was anderes.

00:00:39: Es geht um das Leben Lebensqualität und zwar bis zum letzten Moment.

00:00:45: In dieser Folge schauen wir uns an, was palliativ bedeutet.

00:00:49: Wie sie Schmerzen nimmt und Würde schenkt!

00:00:52: Und was es bedeutet wenn nicht mehr die Heilung im Mittelpunkt steht sondern die Lebensqualität?

00:00:58: Aus diesem Grund sitzt heute Jörg Hildebrand bei uns.

00:01:00: Hi Jörk schön dass du da bist.

00:01:02: Hallo ich freue mich und danke für die Einladung

00:01:05: sehr gerne.

00:01:08: Jörg ist ein Kollege von uns und wir freuen uns, dass du heute hier bei uns bist.

00:01:14: Und das Thema betrifft die Palliativcare oder palliativen Dienst, verschiedene Sachen wo palliativ in der Uniklinik Mainz gedacht wird und ja auch gelebt wird in der Arbeit.

00:01:26: Vielleicht möchtest Du Dich erst mal vorstellen kurz?

00:01:31: Okay, also mein Name ist Jörg Hildebrandt und ich bin Pflegekraft im palliativmedizinischen Dienst der Uni Medizin Mainz.

00:01:39: Und da bin ich eigentlich seit es diesen Dienst auch gibt, seit dem Jahr zwei Tausend Achtzehn.

00:01:45: Vorher war ich auf der Palliativstation und davor habe ich noch verschiedene andere Dinge gemacht.

00:01:51: Was nicht was ihr sonst noch wissen wollt?

00:01:53: Alles!

00:01:54: Alles!

00:01:54: Zwei Tausends Acht

00:01:56: Zehn.

00:01:57: Wie lange bist du in der Klinik?

00:02:01: Nee, also in der Uni Medizin bin ich seit deinundneunzig.

00:02:05: Da hab' ich hier in einer Transplant-Chirurgie gearbeitet und danach auf der Dammzeltransplantation.

00:02:12: dann habe die Fachweiterbildung Onkologie gemacht und seitdem bin ich auf der Palliativstation und das ist seit Zwei-Tausenddreizehn.

00:02:21: Wow!

00:02:21: Ja... Und da habe ich damals schon immer nebenher So Konzildienste auch gemacht, hat mich der damalige Chef der Professor Weber gefragt.

00:02:31: Ob ich mir das vorstellen kann?

00:02:33: Dass die Patienten, die anderswo in der Klinik liegen und die palliativ sind aber nicht auf der Station liegen.

00:02:42: Also da war seine Idee dass sie auch von pflegerischen Besuchen profitieren können.

00:02:46: so hat das angefangen Und dann sind wir erst zusammen gegangen.

00:02:50: später konnte ich dann alleine gehen und habe mir Patienten angeschaut Und irgendwann, im Lauf der Jahre hat sich ja in der Palliativmedizinische Dienst gegründet.

00:03:00: Und seitdem mache ich das zusammen... Also wir sind drei Ärztinnen und inzwischen vier Pflegekräfte.

00:03:08: Das verteilt sich aber also die Arztstellen, das sind zwei.

00:03:12: Und Pflegekräfte sind insgesamt eins Komma sieben Fünf Stellen.

00:03:17: ungefähr zwei Jahre auch eine Kollegin aus dem Sozialdienst, die uns mit einer halben Stelle unterstützt.

00:03:24: Sodass wir wirklich versuchen multiprofessionell die Patienten zu betreuen, die nicht auf der Palliativstation liegen.

00:03:32: Ein Segen

00:03:33: für die Uni?

00:03:34: Genau und auch breit aufgestellt.

00:03:36: Ich denke mal das ist so ein Schlüsselwort, dass vielleicht auch hinter diesem ganzen Palliativ steckt.

00:03:41: was bedeutet denn palliativ?

00:03:44: Also palliativ kommt erst mal aus dem Lateinischen und heißt ja eigentlich umwandeln.

00:03:49: Und steht so ein bisschen dafür, dass man jetzt den Patienten nicht nur die Diagnose sieht sondern den ganzen Menschen betrachtet.

00:03:58: Und Menschen, die palliativ betreut werden.

00:04:01: Da sind eigentlich immer Menschen mit einer Diagnose, wo man weiß, dass es keinen kurativen Ansatz mehr gibt.

00:04:08: Also das heißt, man kann denen zwar Behandlungen anbieten auch in der Uniklinik aber sie werden halt nicht mehr gesund und das kann verschiedenste Erkrankungen betreffen.

00:04:20: also wir haben auch neurologische Patienten oder Patienten, die cardiologisch stark vorerkrankt sind.

00:04:26: Aber ich würde mal sagen, achtzig Prozent der Patienten die ich sehe sind onkologisch.

00:04:31: Dann nimmt mir meine Frage schon vorweg.

00:04:32: Es wäre jetzt meine nächste Frage gewesen ob die alle onkologie sind tatsächlich?

00:04:36: Die palliativen Patienten oder ob es da auch nicht Onkologische gibt.

00:04:40: Ja also es wird mehr mit den nicht-onkologischen Patienten.

00:04:44: ja Also weil eine Neurologie das kann man sich hervorstellen.

00:04:49: Da gibt's halt immer Situationen wo man darüber nachdenkt Was ist jetzt noch sinnvoll für den Menschen?

00:04:58: Weil nicht alles, was man anbieten kann.

00:05:00: Ist in der richtigen Situation auch das Sinnvolle.

00:05:02: da sind wir oft beratend tätig und zwar Beraten die Ärzte und Pflegenden aber auch die Patienten oder die Angehörigen je nachdem wie die Situation ist Und in der Kardiologie wird ja immer mehr gemacht auch hier.

00:05:16: uns gibt wahnsinnig viele Sachen.

00:05:18: Aber irgendwann gibt es auch da halt end of life Situationen wo man dann eben Da geht es eher häufiger darum, dass die Patienten nicht mehr so oft in die Klinik sollen und wie man den helfen kann.

00:05:30: Dass sie zu Hause eine Versorgungsstruktur haben, die ihnen hilft, möglichst viel Zeit daheim zu verbringen.

00:05:37: Die Leute werden auch immer älter, ne?

00:05:39: Ja, also merken wir ja auch auf dem Stationen.

00:05:42: Ich stell mir das immer so vor, weil ich das aus dem praktischen Kenne ... Ihr werdet dann gerufen konsulärisch über unser PC Und dann kommt ihr und dann ja, kontaktieren euch erst mal oder ihr kontaktiert.

00:05:56: Dann wen kontaktierte eigentlich zuerst?

00:05:58: die Ärzte?

00:05:59: Die Pflege?

00:06:00: oder also weil es ist so ein Riesen Informationsbubble und ihr müsst sie denn irgendwie lösen sozusagen.

00:06:06: Also normal ist das so als jetzt wird ein Patient angemeldet sagen wir mal von irgendeiner Abteilung da sollen wir jetzt hingehen kann man ja schon vorab auswählen, was man sie gerne hätte.

00:06:18: Und dann kommt es halt ein bisschen drauf an.

00:06:20: Manche Menschen können sehr konkret Fragestellungen formulieren und andere.

00:06:25: Da wird man nicht so schlau draus, sondern ist eben am einfachsten, man ist vor Ort und guckt sich die Situation an.

00:06:36: die für uns wichtig sind, ja aber vielleicht für Premierbehandler gar nicht so wichtig sind.

00:06:40: Also für uns ist es oft wichtig, welches soziale Umfeld hat der Mensch und wo wohnt er?

00:06:47: Das wissen sie oft nicht!

00:06:48: Und das ist halt wichtig wenn wir darüber nachdenken ob jemand die Uniklinik wieder verlässt und was man dem dann anbieten kann.

00:06:56: und dafür ist zum Beispiel der Wohnort wichtig Weil man dann weiß, der wohnt in Hessen.

00:07:01: Da gibt es die Versorgungsstrukturen oder der wohn in Mainz.

00:07:07: Dann kann man sich danach schicken was man dem Menschen anbietet und dann kommen wir auf die Station und dann gibts halt einmal die Akte, die medizinische Akte welche Medikamente und welche Diagnosen.

00:07:20: aber wir sprechen auch eigentlich immer mit allen beteiligten Berufsgruppen also mit den Pflegenden und mit den Ärzten Gelegentlich auch mit den Physiotherapeuten, wenn die vor Ort sind und auch mit der Sozialarbeiterin so es denn eine gibt.

00:07:37: Und wenn wir die vor ort nicht antreffen dann ist es also so dass wir einmal die Woche in einer multiprofessionellen Fallbesprechung unsere Patienten, die wir in der Klinik betreuen mit den verschiedenen Berufsgruppen durch sprechen.

00:07:51: Also da treffen wir uns und das sind eben wir von unserem Team als Sozialdienst Pflege und Ärzte.

00:07:58: Und es kommt noch jemand von der Psycho-Onkologie, es kommt jemand vom Physiotherapie dazu, vom Schmerzdienst den hat er die Uni Medizin auch und auch von der Klinikseelsorge.

00:08:10: Ja, ihr seid schon richtig gut vernetzt was das angeht.

00:08:13: Mega

00:08:13: gut!

00:08:14: Und kommt ihr grundsätzlich immer?

00:08:16: Also wenn du jetzt ein Konzil gestellt bekommst, kommst du immer mit Ärztin oder teilt ihr euch das auch mal auf?

00:08:23: sagen wir mal, in einer idealen Welt wäre das schon gewünscht.

00:08:29: Dass der erste Kontakt mit beiden Berufsgruppen gleichzeitig stattfindet weil es einfacher ist.

00:08:34: dann haben alle den gleichen Informationsstand und danach könnte man besprechen wie sollen jetzt die Folgebesuche sein?

00:08:43: Und da hängt ja so ein bisschen davon ab was wir als Therapieziel definieren.

00:08:47: also Es ist ja so, wenn wir jetzt den ersten Besuch gemacht haben.

00:08:52: Dann überlegt man sich hinterher also was ist unser Arbeitsauftrag?

00:08:55: Was möchten wir mit dem Patienten erreichen?

00:08:57: und das kann ja ganz unterschiedlich sein.

00:09:00: Also es gibt manchmal Leute die eine starke Symptomenlast haben, so nennen wir das.

00:09:04: Wenn jemand sehr stark unter Schmerzen leidet oder unter Atemnot, dass man Medikamente empfiehlt oder pflegerische Maßnahmen zur Linderung der Situation oder beides dann wäre das das Ziel.

00:09:18: Und manchmal ist es aber auch so, dass man gemeinsam überlegt, wir müssen den Patient und die Familie beraten.

00:09:27: Was gibt es zu Hause für Möglichkeiten?

00:09:29: Damit die irgendwie zusammen überlegen können wie uns das vorstellen, die Betreuung zuhause.

00:09:35: welche Unterstützungsmöglichkeiten stehen uns zu wer kann uns da helfen?

00:09:40: und dann würde zum Beispiel die Kollegin vom Sozialdienst auch mit ins Spiel kommen sodass Und dann ist es ja auch manchmal so, dass Menschen noch Dinge regeln wollen und vielleicht eine Patientenverfügung erstellen möchten oder ne Vorsorge voll macht.

00:09:56: Dazu können wir auch beraten.

00:09:59: Weil wenn man so ein Formular aushändigt, sind viele Menschen die sich damit vorher nicht beschäftigt haben überfordert und brauchen Hilfestellungen und das Dinge erklärt werden.

00:10:09: Das machen wir auch!

00:10:13: Wenn man das jetzt nach dem ersten Gespräch weiß, dann überlegen wir eben zusammen.

00:10:17: Wann sehen wir den das nächste Mal?

00:10:19: Also ist die Situation so dass es sinnvoll ist direkt am nächsten Tag wiederzukommen oder kann man vielleicht zwei drei Tage warten?

00:10:27: was ist der nächste Plan und wer geht hin?

00:10:31: soll die Kollegin vom Sozialdienst kommen wenn sie macht den Termin mit der Familie zum Beispiel?

00:10:37: oder ist es sinn voll wenn jemand von den Ärzten nochmal wegen der Medikamente guckt?

00:10:41: Und manchmal ist es auch so, dass eben die Folgebesuche durch die Pflegekraft also durch mich oder die Kollegin alleine erfolgen.

00:10:50: Wenn Dinge schon besprochen sind und man einfach einen anderen Fokus hat.

00:10:54: Also wenn der Fokus mehr auf pflegerischer Betreuung ist das gibt's schon auch.

00:10:59: Und meine Erfahrung ist schon, dass die Menschen uns... Also wenn ich jetzt alleine komme als Pflege Kraft dann erzählen die mir andere Dinge als sie erzählen wenn wir zu zweit am Bett sitzen?

00:11:12: Und sie erzählen mir auch andere Dinge, als die vielleicht der ärztlichen Kollegin erzählen würden.

00:11:18: Meinst du das ist bei dir ein bisschen intimer das Gespräch?

00:11:21: Wie wenn die Ärztin dabei

00:11:22: ist...

00:11:24: Ich meine, das ist ja immer so.

00:11:26: Wenn es jetzt eine Situation gibt ... Manchmal sprechen wir nur an der Oberfläche über Symptome oder über Organisatorisches.

00:11:34: Aber manchmal geht's eben auch um Krankheitsverarbeitung.

00:11:38: und was hab ich noch für Wünsche?

00:11:39: Was habe ich für Vorstellungen?

00:11:41: Und dann ist es halt in dem Moment, wo mehrere Menschen am Bett sitzen, schwierig.

00:11:47: Wenn die Angehörigen nicht dabei sind, fällt sie mir ein leichter ...

00:11:50: Ja genau, unterschiedlich!

00:11:53: Aber auch wenn manchmal ist es ja so, dass wir Studenten haben die begleiten oder irgendwelche Rospitanten und dann sind wir zu dritt da.

00:12:00: Und das gibt einfach nicht das Gespräch was es gibt, wenn du zweit bist.

00:12:05: Also wenn ich jetzt zum Beispiel sage, ich mache mal eine Aromaflege.

00:12:12: Ich habe ätherische Öle und griechen sie mal was ihnen guttut?

00:12:16: Oder dieses Öl ist dafür?

00:12:20: Und dann kann man zum Beispiel mal anbieten, eine Fußmassage.

00:12:23: Das mache ich wenn ich Zeit habe sehr gerne weil der Mensch dafür nichts leisten muss.

00:12:29: Der muss keine bestimmte Position einnehmen, der muss irgendwie auch nicht richtig wach sein und da kann man also einfach so'n bisschen ne Fußmassages machen und dann mußt er gar nicht sprechen.

00:12:42: aber oft ist das Bedürfnis da und dann kann der Mensch selber steuern was es so preis gibt.

00:12:49: Das ist einfach eine intimere Situation.

00:12:52: Ja, Berührung und

00:12:53: auch schön das Wiederkehren.

00:12:55: Der muss dafür nichts leisten.

00:12:57: Den Druck mal rausnehmen.

00:12:59: Weil sonst hat man ja so den Eindruck.

00:13:02: also sagen wir mal super ist ja zum Beispiel immer habt ihr bestimmt auch gelernt atenstimulierende Einreibern.

00:13:08: Habe ich auch gestern tatsächlich ohne Handschuhe.

00:13:10: dann ne?

00:13:12: Genau aber dafür wäre es halt sinnvoll.

00:13:14: jemand kann sitzen Und manchmal geht das oft nicht.

00:13:18: Also ich sehe ja Menschen in sehr desolaten Krankheitssituationen, die aus unterschiedlichen Gründen vielleicht nicht dazu in der Lage sind eine Viertel Stunde auf der Bettkante zu sitzen weil sie entweder zu schwach sind oder zu Schmerz geplagt oder weil diverse Drainagen und andere Dinge sich einfach daran hindern.

00:13:37: und da ist also Fußmassage.

00:13:39: also an die Füße kommt man eigentlich immer ganz einfach.

00:13:44: Und ich glaube, man muss aber auch ein Gefühl dafür haben, wen man Dinge anbietet.

00:13:50: Ja!

00:13:51: Also es gibt ja Leute die dafür einfach nicht empfänglich sind und ich kann jetzt nicht jedem sagen so was hier ihnen heute die Füße.

00:13:59: Es gibt auch Leute... Eine

00:14:00: Runde Fußmassage.

00:14:02: So kitzelig einfach oder?

00:14:03: Gibt

00:14:03: auch Menschen, die gar nicht gerne berührt werden, aber meine Erfahrung ist das sind die wenigsten.

00:14:09: Ich treffe ja häufig auf Menschen die schon sehr lange in der Klinik sind Und das ist ja schon so, man verliert es ja als wenn man hier professionell arbeitet ein bisschen aus dem Blick.

00:14:20: Aber wenn dann niemand also wenn einen keiner mal in den Arm nimmt Wenn man überhaupt nicht berührt wird außer von fremden Menschen die einem Blut abnehmen oder eine Infusion anhängen Dann fehlt das.

00:14:33: und manchmal mache ich auch beim Gespräch einfach nur Handhalten

00:14:39: Und dann läuft es auch direkt los, manchmal die Tränen.

00:14:42: Manchmal

00:14:42: ist das so.

00:14:43: Weil der Patient einfach wahrgenommen wird in dem Moment?

00:14:46: Das macht diese persönlichen Visiten ... Einfach, wenn man sagt die Tür geht zu.

00:14:51: Man nimmt sich Zeit.

00:14:51: Man setzt sich gegenüber und es macht so wertvoll.

00:14:54: Weil wir kennen das alles jetzt arbeiten im Betrieb.

00:14:56: Die Verbindung ist da aber sie ist natürlich schwierig.

00:15:00: Wenn man einen stationären Setting seine Gruppe betreut als Pflegekraft.

00:15:06: Da ist die Verbindung zwischen Infosionsleitung und Braunüle ungefähr.

00:15:11: Und man wäscht dann mal den Rücken oder hier... Das ist dann immer schwieriger um so wertvoller Jörg.

00:15:16: Und genau auf den Punkt würde ich vielleicht noch mal gerne eingehen, die Aromaflege spielt eine große Rolle.

00:15:22: das konnte ich auch so schön erfahr in meiner Fachweiterbildung bei euch auf der Palliativstation dass über die Sinne also das Riechen und die Berührung man muss schauen wie man es anbietet Man doch da ja viel auch erreichen kann.

00:15:37: und dann wird uns vielleicht auch interessieren Wie das dann so ist wenn die Patienten aus diesem Sag ich mal,

00:15:44: ja

00:15:46: von der Krankenstation, egal aus welchem Fachbereich zu euch hier auf die Palliativstation kommen.

00:15:51: Was wäre denn da?

00:15:52: Hast du da so ein Beispiel wahrscheinlich viele was du uns gerade mit uns teilen würdest?

00:15:59: also

00:15:59: das ist ja manchmal schwer den anderen Beteiligten zu vermitteln, warum wir glauben dass der Aufenthalt auf der Palliativstation für den Menschen gut ist.

00:16:10: Weil es ist halt schon so das ganz viel zwischen den Zeilen mitschwingt und dass es ganz viel um Haltung geht.

00:16:19: und das ist eben manchmal so.

00:16:22: also es passiert ganz viel wenn der Mensch auf die Palliativstation kommt.

00:16:27: man muss das aber auch wahrnehmen Und das geschieht dadurch, dass der diesem Akkuzetting quasi entzogen wird.

00:16:34: Woher geht es halt viel um?

00:16:36: Es muss diese Diagnostik stattfinden damit diese Therapie durchgeführt werden kann und jetzt geht es eben darum bei uns okay wenn wenn Heilung nicht mehr möglich ist dann ist man ja aber immer noch da

00:16:51: Ja

00:16:52: und man kann trotzdem was für den Menschen tun.

00:16:55: Und das finde ich ist ja häufig in der Uni Medizin so ein fataler Satz.

00:16:59: Wir können nichts mehr für sie tun, das stimmt nicht.

00:17:02: Therapieabbruch?

00:17:04: Das ist auch nicht richtig!

00:17:06: Sondern es ändert sich einfach das Therapieziel und unser Ziel ist immer eine verbesserte Lebensqualität soweit dass möglich ist.

00:17:17: Dafür ist es aber oft sinnvoll und das trägt zu verbesserten Lebensqualitäten bei Wenn der Mensch vielleicht einfach mal ein bisschen mehr Ruhe hat und auch das Gefühl hat, er wird als Mensch gesehen.

00:17:31: Und nicht es kommt jemand rein und sagt sie werden jetzt hierhin gefahren Sie werden jetzt dorthin gefahren.

00:17:38: Das macht ganz viel mit den Patienten dass die die Möglichkeit haben sich zu überlegen was möchte ich denn noch?

00:17:45: Was ist mir denn wichtig?

00:17:48: Und das ist auch für jeden etwas anderes.

00:17:51: also Man kann ja nicht viel standardisieren im Palliativbereich, glaube ich.

00:17:56: Aber es gibt schon so Fragen die ich Menschen immer stelle.

00:18:00: So am Anfang und da gehört eigentlich immer dazu was stört sie denn im Moment am meisten oder was belastet Sie denn im moment am meisten?

00:18:10: Und die Antworten sind sehr unterschiedlich.

00:18:12: Es gibt Leute, die das sehr konkret machen können Ich habe Schmerzen oder ich habe Durst Oder ich leide darunter, dass kein Besuch kommt oder es kommen ganz allgemeine Sachen zum Beispiel.

00:18:29: Ich leide da unter, dass ich irgendwie mit meiner Tochter seit Jahren keinen Kontakt habe und das ist eben eine Bandbreite die wir quasi auch bedienen können.

00:18:39: Und wenn jetzt dann so komplexere Zusammenhänge sind schon häufiger auf der Palliativstation, weil man sich darum all diese Dinge kümmern kann.

00:18:50: Also das ist mir auch aufgefallen?

00:18:52: Ich habe ja auch im Rahmen meiner Fachweiterbildung war ich ja eine ganze Zeit lang auf der palliatifstation bei euch dass die Menschen, die dort ankommen egal von welcher station, dass sie oft erstmal aufatmen oder durch atmen so bin jetzt raus hier werde ich als Mensch gesehen, also das verbalisieren die natürlich nicht in dem Moment.

00:19:15: Aber ich finde man konnte es immer ganz deutlich sehen so spätestens am zweiten Tag war das immer so wie eine kleine Befreiung.

00:19:23: Ja genau und es ist ja zum Beispiel auch oft so dass uns halt vorher gesagt wird von sagen wir mal von der primär behandelnden station ja Die haben so schwierige Angehörige Und in einem großteil der fälle empfinden wir das dann im Kontakt gar nicht so, weil schwierige Situationen sich besser lösen lassen wenn man wirklich mal miteinander spricht und zwar nicht zwischen Tür- und Angel.

00:19:53: Auf Augenhöhe!

00:19:55: Sondern eben halt im Gespräch.

00:19:57: also das machen wir auch mit den Menschen wenn wir zu dem Patienten gehen dass wir uns ans Bett setzen und man muss da jetzt nicht eine halbe Stunde sitzen.

00:20:05: manchmal reichen auch zehn Minuten aber man sitzt dann halt da.

00:20:10: Und das ist auch, wenn ich alleine als Pflegekraft irgendwo bin.

00:20:13: Ich muss ja dann in der Zeit im palliativ-medizinischen Dienst ... Ich muss nicht zur Klingel, ich muss auch nicht ans Telefon und mich nicht um die anderen Patienten kümmern.

00:20:23: Dann sind manchmal zehn Minuten ausreichend, dass ein Mensch sich einfach mal mitteilen kann.

00:20:30: Das ist schon gut!

00:20:31: Jeden

00:20:31: Fall.

00:20:32: Ja.

00:20:32: Es geht auf der Palliativstation auch, die Kolleginnen dort natürlich mehr bei den Patienten betreuen, aber da verteilt sich das ja auf multiprofessionelle Schultern.

00:20:45: Also wir haben hier auch dort Physiotherapeuten, die im engen Austausch mit uns sind.

00:20:50: Es gibt eine Musiktherapeutin.

00:20:52: Das ist was ganz Wunderbares tatsächlich weil die auch sehr individuell auf die Patienten eingeht.

00:21:00: Also sie kann manchmal musizieren, die zusammen... also wenn jemand sehr musikalisch ist, wir haben ja ... Sie bringt Instrumente mit und wir haben aber auch ein Klavier im Wohnzimmer.

00:21:10: Manchmal singt sie denen nur was vor.

00:21:13: Aber wenn jetzt jemand gar nicht kontaktibel ist oder sich so aktiv an einem Gespräch beteiligen kann, hat auch Instrumente, die man ins Bett legen kann.

00:21:24: Wo man durch Anklingen der Seiten einfach die Vibration spürt.

00:21:29: also es geht viel über Körper-Kontakt und da hat die Musiktherapeutin ist die Frau Li wirklich ein Händchen dafür sich auf Menschen einzulassen und aber auch deren persönliche Grenzen zu respektieren.

00:21:42: Das

00:21:42: ist die gleiche

00:21:43: wie im Hospiz in meinen ... Ich

00:21:45: glaube schon, ja.

00:21:46: Die habe ich dort kennengelernt und fand ihr auch total toll als sie mit der Hafe am Patientenbett saß.

00:21:53: richtig

00:21:54: schön!

00:21:55: Und es ist halt sehr individuell was sie den Menschen anbietet und da reagieren also fast alle positiv drauf.

00:22:04: das ist schon eine schöne Sache.

00:22:06: und dann haben wir hier auch viele ehrenamtliche Mitarbeiter Sie ihre Freizeit opfern, um sich um Palliativ-Patienten und Patientinnen zu kümmern.

00:22:17: Und die erstmal uns als Pflegekräfte dort unterstützen, indem sie, sagen wir mal kleine Bedürfnisse der Patienten bedienen aber auch uns organisatorisch entlasten für so kleine Botengänge oder essen, austeilen solche Dinge.

00:22:36: Also die helfen uns als Pflegekräfte das wir zum Beispiel Pause machen können und solche Dinge oder dass wir an Besprechungen teilnehmen können.

00:22:44: aber sie sind eben auch sehr viel im Patienten Kontakt mit Angehörigen Und oft ist es so, dass die Patienten das sehr wertschätzen wenn sie mal etwas Wenn Sie über was anderes reden können, weil die Menschen, die bei uns ehrenamtlich arbeiten ... Die sind aus ganz anderen Berufen.

00:23:05: Und man kann mal über was Anderes sprechen und nicht nur darüber wie krank man ist.

00:23:11: Das ist schon auch wichtig.

00:23:12: Auch sehr wertvoll.

00:23:15: Immer wieder raustreten.

00:23:17: Also erst mal es ist wirklich unglaublich toll, was ihr da anbietet auf Stationen und dann seit so vielen Jahren nach außen tragt Das macht auch was.

00:23:27: Ich denke mal, woran man noch arbeiten kann ist so generell dass da interprofessionell auch denk ich noch einiges.

00:23:34: vielleicht ja müssen oder denkst du das da auch Hürden abgebaut werden müssen wenn zum Beispiel die Kommunikation zwischen Ärzten pflegenden Palliativkräften dass man dahin gegen das vielleicht auch warum es vielleicht dem einen oder anderen schwer fallen könnten zu sagen Ja die Patientin oder mit den Angehörigen, manchmal sind es auch Angehöhre benötigen hier eine palliative Beratung.

00:23:57: Was da die Hemmschwelle sein könnte?

00:24:00: Also ich glaube das ist oft Unkenntnis was wir machen Das ist eigentlich das häufigste.

00:24:05: Das hört ja vielleicht heute auf mit der Freude,

00:24:07: hoffentlich!

00:24:09: Also meine Erfahrung jetzt mache ich das schon einige Jahre.

00:24:13: Dass es halt schon so ist je mehr man bekannt ist desto häufiger wird man gerufen.

00:24:18: da hatte ich am Anfang auch den Vorteil dass mich durch die Fachwalterbildung schon viele Kollegen aus der Pflege persönlich kannten.

00:24:27: Und jetzt ist es aber auch so, also am Anfang war's eben so dass sagen wir mal ärztliche Mitarbeiter kein großes Interesse am Austausch mit einer Pflegekraft hatten.

00:24:36: Das hat sich aus meiner Wahrnehmung schon deutlich geändert weil ich halt überall bekannt bin.

00:24:42: Es gibt immer mal... Ja, ich

00:24:44: hab ganz ein bisschen den Kopf geschüttelt.

00:24:47: Gibt natürlich immer mal Leute wo man denkt ja

00:24:49: gut... Entschuldigung bei uns ist das halt nicht

00:24:51: so.

00:24:53: Ja, also in deiner Abteilung ist es halt so, dass es oft schwierig ist auch einen ärztlichen Mitarbeiter zu finden.

00:25:00: Das ist jetzt mal das... Aber ich habe schon die Erfahrung gemacht, auch jetzt in der Urologie zum Beispiel, dass wenn man dann auf Ärzte trifft und auch da legt worum es geht oder was einem jetzt wichtig ist oder welchen Eindruck man hat, dass die schon offen sind dafür?

00:25:18: Also ich hab' jetzt tatsächlich Auch da.

00:25:20: eine positive Entwicklung könnte ich betrachten.

00:25:23: Ja, es wird besser.

00:25:24: Genau!

00:25:25: Also auch das habe ich im Laufe der Jahre gesehen aber ich finde es trotzdem noch schwierig stellenweise.

00:25:32: Also ich glaube grundsätzlich kann man sagen dass operative Fächer sich schwerer damit tun eine palliativmedizinische Mitbetreuung zu initiieren.

00:25:41: Ja definitiv.

00:25:42: So jetzt war der damalige Chef von der Palliativabteilungen hat Deswegen da schon Wert drauf gelegt, als der palliativmedizinische Dienst gegründet wurde.

00:25:53: Dass jede Berufsgruppe eigentlich dieses Konzil diese Mitbetreuung anmelden kann also auch Pflegekräfte das wird nicht so oft gemacht aber man könnte und Häufig ist es ja dann aber so, dass wenn jetzt die Pflegenden das anmelden.

00:26:12: Also ist es in der Regel so, wenn pflegekräfte das anmeldend sind, da sind Leute aus der onkologischen Fachpflege, die bei ihren Pflegesiedern einen Bedarf erhoben haben und das machen?

00:26:22: Dann läuft das in den Regeln gut!

00:26:26: Und in relativ seltenen Fällen ist es mal so ,dass die Pflegekräften der Station das an melden.

00:26:31: Wenn das der Fall ist, dann wissen wir meistens schon A. Da ist ein gewisser Dissenz in der Einschätzung der Krankheitssituation zwischen Ärzten und Pflegenden.

00:26:42: Und dann gehen wir diplomatisch vor, das hilft eigentlich am besten.

00:26:46: Das ist vielleicht auch diese Kommunikation wenn die Pflege, die Pflege am Bett aß da entwickelt man eine andere Intimität Vertrautheit als vielleicht zu diesen regelmäßigen ärztlichen Visiten, aber da denke ich mal auch kommt es darauf an welchen Fachbereich.

00:26:59: Es gibt auch viele Ärzte oder Ärztinnen die einen guten Zugang täglich dadurch kriegen.

00:27:07: Aber ich denke auch, dass Pflegekräfte eher nach wie vor die Zugänge haben.

00:27:15: Ich würde sagen in der überwiegenden Anzahl der Fälle lässt sich dieser Dissens durch Gespräche bereinigen.

00:27:25: Ich glaube, fast noch nie vorgekommen dass es dann hinterher so hieß wir sollen da nicht hingehen.

00:27:33: Wenn das so ist also wenn das nicht gewünscht ist eine palliativmedizinische Mitbeurteilung Dann ist immer noch die Möglichkeit Dass man das auf einer pflegerischen Ebene untereinander.

00:27:43: Also dass ich jetzt quasi ein Pflegekonsil mache.

00:27:46: aber Das ist eigentlich immer so dass Wir mit offenen Karten spielen mit allen Beteiligten sprechen und dass Man dann hinter zusammen zu einer Idee kommt, wie man den Mensch weiter mitbetreut.

00:27:58: Das ist fast immer möglich!

00:28:05: Dann würde ich sagen, waren wir jetzt eigentlich mit unseren Fragen an dich.

00:28:12: Ich könnte mich stundenlang mit dir unterhalten... Könnt

00:28:13: noch ein bisschen weitergehen!

00:28:15: Es ist so spannend einfach weil du halt auch schon einen großen Erfahrungsschatz hast.

00:28:19: Deswegen wirst du hoffentlich nicht das letzte mal bei uns sein und wir bedanken uns erstmal bei dir dass du heute bei uns warst.

00:28:26: und ja nach dem Gespräch wird klar, dass Menschen wie Jörg zum Beispiel Der Palliativ, ja hier auch Brückenbauer finde ich für eine ganze Gesellschaft ist.

00:28:37: Und auch ein Blick uns heute hat hinter die Türen der Palliativversorgung geschenkt hat.

00:28:43: Das Thema palliativ fällt dem einer oder anderen schwer und das ist in Ordnung dass einem das schwerfällt.

00:28:50: Am Ende muss man sagen, was zählt ist ja die Nähe.

00:28:55: Die Würde Schmerzfreiheit war noch mal an Punkt.

00:28:59: Allein darüber könnten wir auch noch mal uns unterhalten.

00:29:01: Ich denke sehr fachlich, auch nochmal interessant was im palliativen Setting so an Analgetiker und ja so möglich ist.

00:29:09: Es gibt

00:29:09: auch einige interessante Themen?

00:29:11: Genau!

00:29:12: Und das was eigentlich zählt und ich finde es ist ein bisschen.

00:29:15: die Essenz ist so dass gegenüber was bleibt?

00:29:18: also derjenige und du vor allen Dingen Wenn du kommst, du setzt dich hin und du bist dann da mit allem was kommt.

00:29:26: Und genau das wissen wir alle total zu schätzen.

00:29:29: vielen Dank!

00:29:31: Ja wenn sie Fragen haben oder ja wenn es hier heute um Fachbegriffe geht die erklärt werden.

00:29:37: die stehen dann unten in den Show Notes und wir bedanken uns bis zum nächsten Mal.

00:29:42: Die Mensa

00:29:43: und Geschwistern tschö.

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